Die Bedeutung der Eule in der Philosophie

Die  Eule der Minerva.

Zunächst einmal die Erklärung wer Minerva war.

Minerva ist der Name der Göttin Athene. Sie war in der römischen Mythologie  die Tochter Jupiters  und in der griechischen Mythologie die Tochter des Zeus, und wurde in Griechenland als Göttin der Weisheit verehrt. In Rom galt sie als Schutzgöttin Roms und jedem römischen Gott ordnete man einen Vogel zu. So z. B. Jupiter den Adler, er war auch sein Lieblingstier.

Minerva erwählte sich als ständige Begleiterin eine Eule, einen Steinkauz. Dieser wurde in der griechischen Mythologie als heiliger Vogel und als Vogel der Weisheit verehrt. Unter diesem Namen ist er auch in Frankreich berühmt: ”I’Oiseau de Minerve”.
Diese Eule wurde in Griechenland so verehrt, daß man sogar die attischen Silbermünzen mit ihrem Bild schmückte. Sie hießen daher ”Eulen” (glaukes) oder ”Pallades”, weil auf der Vorderseite wiederum der Kopf der Pallas Athene abgebildet war. Das Sprichwort “Eulen nach Athen tragen” bezieht sich auf diese
Eulen (glaukes). Weil Athen zur damaligen Zeit, eine sehr reiche Stadt war, war es unsinnig noch mehr Eulen (Geld) in die Stadt zu tragen, das drückt das Sprichwort aus.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, einer der einflußreichsten Philosophen, lebte in der Zeit von 1770 - 1831. Er verfaßte 1821 die ”Grundlinien der Philosophie des Rechts”, und zog, um seine Thesen zu unterstreichen, die Eule der Minerva als Sinnbild heran.
Er verglich
die Philosophie mit eben dieser Eule. Denn Eulen beginnen erst in der Abenddämmerung ihren Flug; er vertritt die Meinung, daß auch die Philosophie erst zum Tragen  kommt, wenn der Abend der Ereignisse, sprich Geschichte, erreicht ist.
Ein Philosoph habe immer erst die Möglichkeit, Abläufe des Zeitgeschehens zu analysieren, nachdem  sie Vergangenheit geworden sind.
Die  Philosophie komme zum Belehren immer zu spät.
Ein weiterer Grund, wieso Hegel die Eule als Sinnbild verwendet hat: die Eule ist  die Schutzgöttin von Heim und Staat .
Für ihn ist der damalige Staat (Preußen), die Verkörperung des absulut Sittlichen. (Jürgen Förster)

Es würde zu  weit führen, tiefer in die Philosophie Hegels einzudringen. Ich wollte mit  diesem kleinen  Ausschnitt nur verdeutlichen, wie tief die Eule und die ihr nachgesagten Eigenschaften, selbst in die Geisteswissenschaften mit einbezogen ist.

Nun noch einmal ein kleiner  Ausflug in die Welt des Aberglaubens und der Sagen.

Die Eule ist der Todes-, Zauber-, Hexen, ja Teufelsvogel, der freilich auch wieder Geburt oder Glück künden kann und mit dem vielerlei Zauber und Gegenzauber getrieben worden ist.
(vgl.  Bächtold-Stäubli 1929/30, 1073-79 ”Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens”)

Im Gegensatz zu dieser Aussage steht folgendes:

Sie war aber auch der Vogel des Dil  Ulenspiegel, den die Ausgabe von 1515 mit der Eule in der einen und dem Spiegel in der anderen Hand zeigt.

Ich interpretiere das so: Die Eule als Symbol seiner Klugheit und der Spiegel als Symbol seines Anliegens, nämlich der damals herrschenden Klasse den Spiegel der Erkenntnis vorzuhalten.

Die Geschichten des Till Eulenspiegel, reflektieren in amüsanter Weise die damalige, und auch heute noch anwendbare,
Gesellschaftskritik wieder.

Seine Abenteuer wurden im Jahre 1515 erstmals gesammelt und in einem hochdeutschen Volksbuch veröffentlicht. Der Vorläufer stammt wahrscheinlich aus Niedersachsen.
Zur Person: Till Eulenspiegel geboren um 1290 - 1350 in Keitlingen (Braunschweig), war ein  Bauerssohn, dem der Schalk im Nacken saß. Berühmt ist wohl seine Geschichte, in der er die ärgerliche Aussage seines Brotherrn, einem Bäcker, zu wörtlich nimmt, und Eulen und Meerkatzen backt. Am liebsten nahm er geistliche Würdenträger und Adlige auf die Schippe.

Er machte sich also über die gesellschaftlichen Konventionen seiner Zeit lustig.

Diese Tafel schmückt das Braunschweiger Rathaus.

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Zitat von philosophenlexikon.de